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Sonderprojekt - Sonderausstellung

 

"Wiener Philharmoniker im Großen Krieg 1914-1918
und Salzburger Festspiele 1918"

mit

"Die Rolle der Mitbegründer der Salzburger Festspiele
im Großen Krieg: der Kriegshetzer Max Reinhardt
und der Kriegspropagandist Hugo von Hofmannsthal"

mit neuen Dokumenten aus den Archiven

Eine Ausstellung zu drei Themen recherchiert anhand von neuen Originaldokumenten
und kuratiert von Herbert Gantschacher

© & ® Herbert Gantschacher 2014

 

Eröffnung: 6. September 2014, 18.00 Uhr

K L O S T E R R U I N E   A R N O L D S T E I N

Die Ausstellung ist bis zum 25. September 2014 zu den Öffnungszeiten der Klosterruine zu besichtigen. Sonderführungen nach Vereinbarung möglich, Tel. 0664-8916491

 

Die Ausstellung "KRIEGSLÜGEN oder Der dritte Balkankrieg als Folge des Doppelmordes von Sarajevo oder Der Völkerrechtsbruch durch die k.u.k. Wehrmacht und das Außenamt am Wiener Ballhausplatz in Belgien im August 1914" wird wegen des großen Interesses bis zum 25. September 2014 verlängert

 

"Wiener Philharmoniker
im Großen Krieg 1914-1918 und
Salzburger Festspiele 1918"

Diese Ausstellung beschäftigt sich mit drei Themen:

- Die Rolle der Musiker der Wiener Philharmoniker im Großen Krieg 1914-1918
- Der Plan zu Salzburger Festspielen 1918 anlässlich des siebzigjährigen Jubiläum der Thronbesteigung von 1848 durch Franz Joseph I.
- Die Rolle von Mitbegründern der Salzburger Festspiele: der Kriegshetzer



Programm der Wiener Philharmoniker aus dem Jahr 1917 mit Widmung der Einnahmen für den k.u.k. Witwen- und Waisenfonds (links) - Konzert vom 4.April 1917 mit der Zweckwidmung der Einnahmen für Kriegsblindenheimstätten (Mitte) - Auszug aus dem Bericht des Dirigenten Weingartner über die Schweiztournee im Juli 1917 in der Neuen Freien Presse vom 21.Juli 1917 (rechts).

Die Situation der Musiker der Wiener Philharmoniker im Großen Krieg 1914-1918 ist geprägt von folgenden Grundvoraussetzungen.
Die Musiker der Wiener Philharmoniker sind als Mitglieder des Orchesters der k.k. Hofoper unter Vertrag der k.k. Monarchie und werden auch zu Sonderdiensten während der Zeit des Großen Krieges herangezogen.
Auch die Budapester Philharmoniker der k.u. Monarchie sind in derselben Situation wie ihre Wiener Kollegen und werden genauso zu Sonderdiensten in der Kriegszeit sozusagen von Amts wegen herangezogen.
Das Betätigungsfeld der Musiker Wiener Philharmoniker im Großen Krieg ist vielfältig: neben der Tätigkeit in der k.k. Hofoper und dem Abhalten von Philharmonischen Konzerten in Wien sind einzelne Musiker und Ensembles auch vermehrt in Diensten für Kriegspropaganda und Wohltätigkeitskonzerten entweder bei Fronttourneen oder Konzerten in Wien.
Der Verein der Wiener Philharmoniker hingegen verwehrt sich gegen eine Überbeanspruchung für die Tätigkeit im Rahmen der Kriegspropaganda und Wohltätigkeitsveranstaltungen, führt jedoch selbst eine Reihe von solchen Konzerten durch.
Mit dem Tod von Franz Joseph I. ändert sich auch Öffentlichkeitsarbeit des Erzhauses Habsburg wesentlich. Nachfolger Karl beauftragt Karl Werkmann in seinem Stab mit der Leitung der Öffentlichkeitsarbeit. Und Kaiser und König Karl übernimmt persönlich den Oberbefehl über die k.u.k. Wehrmacht. Damit ändert sich auch die Aufgabe der künstlerischen Propaganda, die mit dem Amtsbeginn von Karl zur Friedenspropaganda wird.

Somit reisen Künstler aus der k.u.k. Monarchie vermehrt ins befreundete und neutrale Ausland, um eben als Künstler Friedenspropaganda zu betreiben.
Unter der Herrschaft von Kaiser und König Karl wird selbst die zwölfte Isonzoschlacht unter seinem Kommando zur Friedensschlacht, und der Sieg der k.u.k. Wehrmacht assistiert von deutschen Truppen in der Schlacht ist ein Weg zum Frieden. Unterschlagen wird bei letzterem, dass der militärische Sieg unter Einsatz von Giftgas im oberen Isonzotal bei Bovec / Plezzo / Flitsch zustande gekommen ist. Die Ausstellung über die Wiener Philharmoniker im Großen Krieg 1914-1918 gliedert sich in folgende Teile:
- 1914 - Oper - Konzert - Franz Schreker
- Wohltätigkeitskonzerte der Wiener und Budapester Philharmoniker
- Konzerte im befreundetem und neutralem Auslande
- Rosé-Quartett - Frontkonzerte und geplante Konzerte im befreundetem und neutralem Auslande
- K.k. Hofoper - Bläser Vereinigung der k.k. Hofoper und der Wiener Philharmoniker
- Musiker der k.k. Hofoper und der Wiener Philharmoniker an der Front
- Ablehnungen von Wiener Philharmonikern durch das Kriegspressequartier des k.u.k. Kriegsministerium für Fronttheatertourneen und Ablehnungen von Freistellungen der k.k. Hofoper im befreundetem Ausland

Als nun 1918 anstelle der Abhaltung des patriotischen Jahres mit den ersten Salzburger Festspielen die Gedenkzeichen zum siebzigjährigen Regierungsjubiläum von Franz Joseph I. am 2. Dezember 1918 zur Verteilung gelangen sollen, ist die Monarchie bereits Makulatur.

Festspiele in Salzburg sind eindeutig ein Ergebnis der politischen Willensbildung in der Vielfachmonarchie des Erzhauses Habsburg.
Für das Jahr 1918 sind die ersten Salzburger Festspiele anlässlich des siebzigjährigen Regierungsjubiläum der Thronbesteigung von Franz Joseph I. im Jahr 1848 vorgesehen. Diese Festspiele in Salzburg sind der geplante Höhepunkt des patriotischen Jahres 1918, in dem ein ganzes Jahr lang an das segensreiche Wirken des Friedenskaisers in vielerlei Formen und Veranstaltungen gedacht werden soll.
Der Anlass zu diesem patriotischen Jahr wird die Konkurrenz zweier Thronbesteigungen aus dem Jahr 1913 sein, nämlich das 25jährige Jubiläum der Herrschaft von Kaiser Wilhelm II. und das 65jährige Thronjubiläum von Kaiser und König Franz Joseph I.
Wilhelm II. feiert sein Jubiläum Mitte des Jahres am 15. Juni 1913, Franz Joseph I. kann sein Jubiläum erst Ende des Jahres feiern, seine Thronbesteigung ist am 2. Dezember 1848 gewesen.
Zudem ist im Dezember 1913 ein weiteres Jubiläum zu feiern, der Thronfolger von Franz Joseph I., Franz Ferdinand feiert am 18. Dezember 1913 seinen 50. Geburtstag, also noch eine weitere Konkurrenz im eigenem Hause. Daher wird 1914 in Wien eine interministerielle Kommission gegründet, die für 1918 ein patriotisches Jahr vorbereitet, das ganz im Zeichen des 70jährigen Jubiläums der Thronbesteigung von Franz Joseph I. auf allen Ebenen stehen wird.
Im Zentrum der künstlerischen Veranstaltungen zum Thronjubiläum steht die erstmalige Abhaltung von Festspielen in Salzburg im Jahr 1918. Diese ersten Salzburger Festspiele sind als künstlerischer Höhepunkt der Feierlichkeiten in Vorbereitung.
Doch mit dem 21. November 1916 wird alle Vorbereitung Makulatur, Franz Joseph I. stirbt und mit ihm auch das patriotische Jahr 1918. Am 30. November ordnet sein Nachfolger Karl an, dass die Tätigkeit der interministeriellen Kommission sich nun ändert und der Vorbereitung von Gedenkzeichen zum 70jährigen Jubiläum zu widmen hat. Die Gedenkzeichen werden in fünffacher Ausfertigung in zwei Klassen für den 2. Dezember 1918 vorbereitet. Doch zu diesem Zeitpunkt ist die Mehrfachmonarchie des Erzhauses Habsburg bereits implodiert.
Interministerielle Kommissionen hinterlassen so gut wie keine Spuren. Im vorliegenden Fall sind jedoch Spuren geblieben, das ist einerseits der Sammelakt zum 70jährigen Thronjubiläum von Franz Joseph I. sowie der Roman "Der Mann ohne Eigenschaften", in dem der Schriftsteller Robert Musil der interministeriellen Kommission ein literarisches Denkmal setzt.
Die Republik Österreich erbt von der Monarchie die Salzburger Festspiele. Die Ausstellung zum Thema Salzburger Festspiele 1918 gliedert sich in folgende Teile:
- Konkurrenz zweier Thronbesteigungen 1913
- Salzburger Festspiele als ideeller Höhepunkt des patriotischen Jahres 1918 für Franz Joseph I.
- Vom Plan der Salzburger Festspiele für das Jahr 1918 als ideeller Höhepunkt des Jubiläumsjahres von Franz Joseph I. bleiben Gedenkzeichen übrig
- Das Jubiläumsjahr 1918 mit Salzburger Festspielen als ideeller Höhepunkt in den Archiven und der Literatur
- Mitbegründer der Salzburger Festspiele im Großen Krieg 1914-1918: der Kriegshetzer Max Reinhardt
- Mitbegründer der Salzburger Festspiele im Großen Krieg 1914-1918: der Kriegspropagandist Hugo von Hofmannsthal und der Schriftsteller Hermann Bahr
- Die Komponisten und Kriegsliedersammler Bela Bartók, Zoltán Kodály, Alois Hába, Egon Wellesz und Bernhard Paumgartner im Großen Krieg - dieser Exkurs zeigt, wie die Sammlung von Volksliedern im Großen Krieg zur Sammlung von Soldatenliedern umfunktioniert wird mit einem Anhang des Briefwechsels von Bela Bartók und dem Schriftverkehr zu Alois Hába.

Die Ausstellung ist bis zum 25. September 2014 zu den Öffnungszeiten der Klosterruine zu besichtigen. Sonderführungen nach Vereinbarung möglich, Tel. 0664-8916491

"KRIEGSLÜGEN oder Der dritte Balkankrieg als Folge des Doppelmordes von Sarajevo oder
Der Völkerrechtsbruch durch die k.u.k. Wehrmacht und das Außenamt am Wiener Ballhausplatz in Belgien im August 1914"

Ausstellung kuratiert von Herbert Gantschacher

1913 wird der Minister des k.u.k. Hauses und des Äußern, Berchtold sogar in der „New York Times“ für seine Bemühungen um Frieden gewürdigt (links) – das zweite Gesicht zeigt Berchtold auf der Titelseite des Magazins „Sport & Salon – Illustrierte Zeitschri

1913 wird der Minister des k.u.k. Hauses und des Äußern, Berchtold sogar in der „New York Times" für seine Bemühungen um Frieden gewürdigt (links) – das zweite Gesicht zeigt Berchtold auf der Titelseite des Magazins „Sport & Salon – Illustrierte Zeitschrift für die vornehme Welt" von 1.August 1914. Er lässt von sich eine Bildmontage im Harnisch anfertigen. Berchtold ist einer der Architekten den Großen Kriegs (rechts).

In dieser Ausstellung wird Kriegspropaganda und Wirklichkeit gegenüber gestellt. Bis heute wird in der Geschichtsschreibung Sarajevo als jener Ort genannt, der als „Sündenbock" für den Großen Krieg 1914-1918 herhalten soll.
An einem Großen Krieg im Jahr 1914 hat vorerst niemand wirklich ein Interesse. Doch die beiden Zentralmächte repräsentiert durch das Erzhaus Habsburg und das Haus Hohenzollern sehen im Krieg Chancen zur Dominanz der europäischen und Weltpolitik.
Die europäischen Mächte erlauben der Wiener Administration des Erzhauses Habsburg eine begrenzte Aktion der k.u.k. Wehrmacht gegen Serbien als Folge des Doppelmordes von Sarajevo. Wien und Budapest können also ihren Krieg als dritten Balkankrieg führen nicht mehr und nicht weniger.
Doch die beiden europäischen Zentralmächte des Erzhauses Habsburg und der Hohenzollern wollen den Krieg zur Erreichung der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Ziele.
Der Schlüssel zum Krieg liegt dabei aber nicht in Berlin sondern in Wien. Denn nur die Wiener Administration kann 1914 einen Kriegsgrund vorweisen mit dem Doppelmord von Sarajevo.
Nun wird versucht, einen Kriegsgrund zu konstruieren, nämlich der Lieferung von Waffen durch Belgien an Serbien. So könnte der Einmarsch der deutschen Truppen nach Belgien begründet werden. Dabei marschieren Artilleriebatterien der k.uk. Wehrmacht in Belgien ein ohne Kriegserklärung, solch ein Einmarsch und Überfalls ist ein Bruch des internationalen Völkerrechts. Die Ausstellung stellt neue Originaldokumente vor, zum "Lombardeiprojekt" der k.u.k. Monarchie am Balkan, zum "Lebensraum im Osten", zu den Gerüchten über den Doppelmord von Sarajevo, zu den von den europäischen Großmächten erlaubten Krieg der k.u.k. Wehrmacht gegen Serbien als begrenzter Krieg - also der dritte Balkankrieg, die Haltung Großbritanniens dokumentiert durch König Georg anhand von Briefen und Gesprächen.

Die Ausstellung wird des großen Interesses bis zum 25. September 2014 verlängert
- Führungen gegen Voranmeldung unter Tel. 0664-8916491.