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„Der Kaiser von Atlantis oder Die Todt-Verweigerung“

von Viktor Ullmann (Libretto und Musik, Librettomitarbeit: Petr Kien)

NEUINSZENIERUNG

Inszenierung: Herbert Gantschacher
Ausstattung + Puppen: Burgis Paier
Bühne: Sanzaba Dimna 
Lichtgestaltung: Bidpai
Puppenspieler: Markus Rupert und Rita Hatzmann
Musik: ARBOS-Aufnahme der Theresienstädter Erstaufführung, Originalfassung der Oper erstellt nach der Originalpartitur des Komponisten und dem Rollenbuch von Karel Berman

In Musik und Libretto Ullmann verwendet seine Erinnerungen an seine Militärzeit im Ersten Weltkrieg von 1916 bis 1918, das Libretto geschrieben (Mitarbeit Petr Kien) und die Musik komponiert hat er im Konzentrationslager Theresienstadt in den Jahren 1943 und 1944. In der Oper verweigert der „Tod" dem „Kaiser" die Dienste für dessen präventiven, totalen Krieg.

Karel Bermans Rollenbuch. Trommler, Kaiser Karl in Uniform und Puppe, „Der heilige Krieg“, „Tod und ewiges Leben“, Plastik letzte Isonzoschlacht (von links)

Karel Bermans Rollenbuch. Trommler, Kaiser Karl in Uniform und Puppe, „Der heilige Krieg", „Tod und ewiges Leben", Plastik letzte Isonzoschlacht (von links)

Ullmann selbst war im Ersten Weltkrieg Artilleriebeobachter. Im Artillerie-Handbuch ist dessen Funktion klar beschrieben. Der Beobachter arbeitet mit dem Kommando der Batterie zusammen, in dem er das Telephon, das Radio (=Funkverkehr) oder optische Signale verwendet. Wenn der Beobachter Telephon oder Radio verwendet, dann muss er zu Beginn immer die Worte „Halloh! Halloh!" verwenden. Und die ersten Worte in der Oper lauten „Hallo! Hallo!" benutzt von der Figur des „Lautsprechers", der sich als einen beschreibt, „den man nicht sieht, nur hört". Aber auch die anderen Figuren in der Oper sind mit Ullmanns Kriegserfahrung aus dem Ersten Weltkrieg verbunden. Der „Tod" ist gekleidet als ein abgedankter Soldat. Der „Kaiser" ist Kaiser Franz Joseph (er erklärte den Krieg und setzte somit die Apokalypse des 20. Jahrhunderts in Gang) und Kaiser Karl, der letzte, verantwortlich als Oberbefehlshaber für den Gasangriff zu Beginn der zwölften und letzten Isonzoschlacht, an der Ullmann im Oktober 1917 als Artilleriebeobachter teilnahm und den Gasangriff selbst sah. Der „Trommler" verkündet den Krieg, so wie er es in Wirklichkeit auch tat. Der „Soldat" trifft am Schlachtfeld einen „Bubikopf" im Kampf Mann gegen Mann. Aber dieser „Bubikopf" ist kein Mann, es ist ein „Mädchen". Sie verlieben sich und beginnen so den Widerstand gegen den präventiven und totalen Krieg des „Kaisers". Und in einem totalen Krieg sind auch Frauen involviert, denn Frauen dienten als Soldaten im Ersten Weltkrieg in den Armeen von Österreich-Ungarn, Deutschland, Serbien und Russland. Somit fußen alle Figuren der Oper auf den persönlichen Kriegserfahrungen Ullmanns während Großen Krieges. Auch musikalische Zitate aus dieser Zeit finden sich in der Oper wie Militärsignale der k.u.k. Wehrmacht (sie beginnen und beschließen auch musikalisch die Oper), die Volkshymne des Erzhauses Habsburg zitiert in Text und Musik oder auch der Choral „Eine feste Burg ist unser Gott", der auch ein Soldatenlied im Großen Krieg 1914-1918 gewesen ist. Aber Ullmann verherrlicht in seiner Oper nicht den Krieg. Sowohl im Libretto als auch in der Musik rief und ruft er auch noch heute zum Widerstand gegen jede Form von Despotismus oder Missbrauch von Demokratie auf.

Die Neuinszenierung der Oper wird nun als Puppentheater in Szene gesetzt, und die Figuren werden den Quellen der Oper nach geformt.