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„Prinzip Gabriel“

von Dževad Karahasan (Libretto)
und Theodor Burkali (Musik)

URAUFFÜHRUNG

Inszenierung: Herbert Gantschacher
Puppen: Burgis Paier
Kostüme + Bühne: Sanzaba Dimna
Lichtgestaltung: Bidpai
Orchester: Saxophonquartett Fritz Kronthaler (Bariton) - Luise Stöckl (Alt) - Jo Mayer (Tenor) - Manfred Wambacher (Alt)
Es spielen: Markus Rupert und Werner Mössler

 

Das Musiktheaterprojekt „Prinzip Gabriel" schlägt den Bogen von Sarajevo über Wien nach Theresienstadt. Gavrilo Princip ist nach seiner Verurteilung zu lebenslänglichem Kerker wegen der tödlichen Schüsse auf den Thronfolger des Erzhauses Habsburg Franz Ferdinand und dessen Gattin Sophie vom 28.Juni 1914 auf Anordnung der Wiener Administration in der Kleinen Festung in Theresienstadt inhaftiert worden. Princip entging nur deshalb der Todesstrafe, weil er zum Zeitpunkt der Tat nach geltendem Recht noch nicht volljährig war. In der Kleinen Festung in Theresienstadt, die der Administration des Erzhauses Habsburg als Militärgefängnis diente, hatte Princip Rede-, Schreib- und Leseverbot. Die Mauern der Festung waren feucht und im Winter zudem noch eiskalt. Das führte zu gesundheitlichen Schädigungen des Häftlings Princip, an deren Folgen er am 28.Apirl 1918 in Theresienstadt starb. In die Zellenmauer hatte er folgenden Text eingeritzt: „Unsere Geister werden durch Wien wandern Am Hofe umherirren, die sogenannten Herrschaften erschrecken."

Gavrilo Princip in Theresienstadt: Zelle (links), Foto (Mitte), Todesmeldung im Prager Tagblatt vom 30.April 1918

Gavrilo Princip in Theresienstadt: Zelle (links), Foto (Mitte), Todesmeldung im Prager Tagblatt vom 30.April 1918

Der bosnische Dichter Dževad Karahasan hat nun in einem „Tagebuch der Beobachtung" aus der Perspektive des Militärpsychiaters Dr. Pappenheim das Verhalten des Häftlings Princip protokolliert, wobei Dr. Pappenheim Princip auch selbst zu Wort kommen lässt. Nur für Dr. Pappenheim hatte Princip eine Art Mitteilungserlaubnis. Der letzte Eintrag des Dr. Pappenheim vom 12.Jänner 1918 über die Beobachtungen des Gavrilo Princip vermerkt folgendes: „Allgemeine Erschöpfung, aber bei Bewusstsein. Bedeutet mir mit den Augen, mein Ohr vor seine Lippen zu halten, flüstert folgenden Satz: ‚Sie fürchten mich, weil sie meine Freiheit nicht ertragen. Sie haben mir nur den Körper gelassen, und jetzt sehen sie mit Entsetzen, dass auch der Körper explodieren kann, solange eine Seele in ihm ist.'"

Für den aus Györ kommenden Komponisten Theodor Burkali dient der Text Karahasans als Vorlage für seine Komposition