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2015 – „Kunst im Krieg – Propaganda und Künste im Dienst der kriegführenden Mächte“

Dieses Symposion wird sich mit Schein und Sein von Kunst in Gesellschaft und Krieg beschäftigen. Es wird die Stellung von Künstlern herausarbeiten und die Fragen nach deren gesellschaftspolitischer Verantwortung stellen. Denn bedeutende Künstler haben für die Propagandamaschine der kriegführenden Mächte gearbeitet. An dieser Stelle seien nur einige Namen stellvertretend für die große Schar der Künstler genannt, die die Propagandamaschine der kriegführenden Mächte mitbedient haben: der britische Schriftsteller H.G. Wells, der belgische Dichter Maurice Maeterlinck, der britische Schauspieler und Filmregisseur Charles Chaplin, der belgische bildende Künstler Frans Masereel, der russische Dichter Wladimir Majakowski; für die Zentralmächte sind unter anderem der Theaterregisseur Max Reinhardt, die Dichter Richard Dehmel, Peter Rosegger, Hugo von Hofmannsthal (war auch für den Geheimdienst der k.u.k. Wehrmacht tätig), die Komponisten und Musiker Bela Bártok (als Leiter der ungarischen Musikabteilung des Kriegspressequartier des k.u.k Kriegsministeriums in Budapest), sein Assistent Zoltan Kodály, Bernhard Paumgartner (Bela Bartoks Kollege in der Wiener Zentrale des Kriegspressequartiers des k.u.k. Kriegsministeriums), Franz Lehar, Hans Krása, Alois Hába, Franz Schreker, Arnold Schönberg oder auch die bildenden Künstler Albin Egger-Lienz, Ernst Barlach arbeiten für die Propagandamaschine. Oder Künstler wie die Dichter Stefan oder Rainer Maria Rilke arbeiteten zuerst für die Propaganda des Kriegspressequartiers, beide beendeten ihre Tätigkeit für das k.u.k. Kriegsministerium, Zweig in die Schweiz und wurde von der ministerialen Bürokratie als Verräter eingestuft. Dem ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán wiederfuhr eine besondere Ehre, seine Musik diente der Propaganda im dem Vereinigten Staaten, die Texte seine Librettisten Victor Leon wurden durch die des US-Amerikaners Rida Johnson Young ersetzt.

Es gab aber auch Künstler, die gegen den Krieg waren. So schreibt Karl Kraus im Oktober 1917 über Andreas Latzko und sein Buch „Menschen im Krieg": „Andere wissen den Tag nicht mehr fern, an dem das offizielle Österreich darauf stolz sein wird, daß es auch durch diese Tat am Weltkrieg beteiligt war".

Oder es gab auch Künstler, die für die Propagandaarbeit abgelehnt worden sind wie der bildende Künstler Egon Schiele beispielsweise.

Der slowenische Dichter France Bevk (links) verliert im Reich von Kaiser Franz Joseph I. seine Anstellung als Lehrer, weil er kriegskritische Texte schon vor 1914 veröffentlicht hat, der tschechische Schriftsteller Karel Havlíček Borovský wird 1851 wegen

Der slowenische Dichter France Bevk (links) verliert im Reich von Kaiser Franz Joseph I. seine Anstellung als Lehrer, weil er kriegskritische Texte schon vor 1914 veröffentlicht hat, der tschechische Schriftsteller Karel Havlíček Borovský wird 1851 wegen seiner satirisch-kritischen Schriften über den Cäsaropapismus des Erzhauses Habsburg ins tirolerische Brixen deportiert. Sein Schicksal wird Jaroslav Hutka, einer der Sänger der Charta 77, in Prag 1978 in einem Lied bildlich beschreiben und mit dem Schicksal Vaclav Havels in Relation setzen.

Im Spannungsfeld von Kunst und Propaganda wird das Symposion 2014 so seinem Titel gerecht werden.