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2014 – „Inszenierung und Wirklichkeit – Propaganda und Dokumente und zum Großen Krieg und seiner Entwicklung 1914"

Jede kriegführende Macht hat seine Wahrheit über den großen Krieg veröffentlicht. Die Habsburgische Vielfachmonarchie veröffentlichte seine Rotbücher. Neben den österreichisch-ungarischen Rotbüchern gibt es die Weißbücher des Deutschen Reiches, die Grünbücher Italiens, die Blaubücher Großbritanniens, die Gelbbücher Frankreichs, die Orangebücher Russlands, die Blaubücher Serbiens und die Graubücher Belgiens.

Doch neben der Entwicklung der Propaganda der kriegführenden Mächte werden aber auch wissenschaftlich Ressourcen entwickelt und eingesetzt, um die rechtliche Stellung des Großen Krieges im Völkerrecht zu untersuchen. Oder es werden Kriegsverbrechen mit wissenschaftlichen, forensischen Techniken untersucht.

So gesehen ist es mehr als interessant zu beobachten, wie lange sich so manches Propagandamanöver in der Geschichtsschreibung halten kann oder sogar wieder umgeschrieben wird, so wie dies beispielsweise in österreichischen Schulbüchern geschieht. Schulbücher sollen dem Zweck dienen, jungen Menschen Bildung und Wissen zu vermitteln. Auch die Historie soll Gegenstand solcher Bildungsvermittlung sein. So gibt es auch im Geschichtsunterricht in der Republik Österreich den Historischen Weltatlas, dessen erste Ausgabe der Pädagoge Friedrich Wilhelm Putzger 1878 veröffentlicht hat. In der Ausgabe von 1972(48.Auflage) wird dort auf den Seiten 118 und 119 in Karten der Erste Weltkrieg dargestellt und dabei auch die Eroberung des Lebensraums im Osten durch die Zentralmächte( auch Mittelmächte genannt) gezeigt. In der aktualisierten Fassung dieses historischen Weltatlas von 2008 wird auf Seite 78 auch der Erste Weltkrieg dargestellt, die Eroberung des Lebensraums im Osten wird nun aber nicht mehr durch die Zentralmächte des Deutschen Kaiserreichs und der Habsburgermonarchie Österreich-Ungarn und deren Verbündeten bewerkstelligt, sondern nur noch von Deutschen, Türken und Finnen. Diese glatte Geschichtsfälschung verschweigt nun die Teilnahme Österreich-Ungarns an der Eroberung des Lebensraums im Osten(die Armee des k.u.k. Generals Böhm-Ermolli zum Beispiel hatte 1918 Odessa besetzt – Böhm-Ermolli wird später den nationalsozialistischen Großen Diktator unterstützen), oder Offiziere der

Das k.u.k. Ministerium des kaiserl. und königl. Hauses und des Äußern veröffentlicht seine Propaganda in Form eines „Rotbuches“ über den Kriegsbeginn 1914. (links) - Am 12. August 1914 verabschiedet das k.u.k. Kriegsministerium die Kriegsberichterstatter,

Das k.u.k. Ministerium des kaiserl. und königl. Hauses und des Äußern veröffentlicht seine Propaganda in Form eines „Rotbuches" über den Kriegsbeginn 1914. (links) - Am 12. August 1914 verabschiedet das k.u.k. Kriegsministerium die Kriegsberichterstatter, sie werden mit der Bahn an die Frontlinien nach Serbien und Russland verschickt. Links vorne neben dem Eisenbahnschaffer steht die Journalistin Alice Schalek, die im Drama über den Großen Krieg „Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus die ihr gebührende Würdigung bekommt. (Mitte) – Für die USA wird eine englische Fassung des „Rotbuches" in New York produziert. (rechts)

  

österreichisch-ungarische Wehrmacht waren an der Oktoberrevolution beteiligt und kämpften im finnischen Bürgerkrieg auf der Seite des Generals Mannerheims(Offiziere der k.u.k. Wehrmacht nahmen an der Siegesparade von Mannerheim in Helsinki am 14.April 1918 teil, das ist durch Bilder und Filme dokumentiert. In Petrograd waren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Heeresleitung auch Offiziere der k.u.k. Wehrmacht an der Errichtung der bolschewistischen Herrschaft beteiligt, das ist durch Dokumente aus den National Archives in Washington D.C. dokumentiert). Diese Art der Geschichtsfälschung ist umso perfider, da junge Menschen so kein Wissen um Geschichte mehr vermittelt wird sondern geschönte Propaganda über die historischen Vorgänge im Ersten Weltkrieg.