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„Schönberg-Variationen“

von Viktor Ullmann

zur Präsentation der Ausstellung zu neuen unerforschten Quellen zu Arnold Schönberg und seiner Tätigkeit für die k.u.k. Wehrmacht, das Kriegspressequartier des k.u.k. Kriegsministeriums und des Ministeriums des k.u.k. Hauses und des Äußern vom 6.September 1917 bis 2.Dezember 1918

 

Klavier: Gert Hecher

Kurator der Ausstellung: Herbert Gantschacher

1911 komponierte Arnold Schönberg (1874-1951) sechs kleine Klavierstücke, die im Werkverzeichnis unter Opuszahl op.19 geführt werden. 1911 ist auch das Jahr, in dem Viktor Ullmann zu komponieren begonnen hatte, darüber schrieb Viktor Ullmann während seiner Zeit als Soldat an der Front aus Barcola, einem Stadtteil von Triest, 1918 an seine Freundin Anny Wottitz.

Im Brief vom 21.März vom Standort an der Front – das ist der Beobachtungsstand bei Schloß zu Duino – nennt Ullmann Schönberg einen „Anti-Erotiker!“

Im Brief vom 21.März vom Standort an der Front – das ist der Beobachtungsstand bei Schloß zu Duino – nennt Ullmann Schönberg einen „Anti-Erotiker!"

 

Ullmann besuchte in Wien das Rasumofsly-Gymnasium im III. Bezirk, zu seinen Schulkameraden zählten unter anderem Gerhart Eisler, der Bruder des Komponisten Hanns Eisler, und Joseph Travniček, der wie Ullmann auch komponierte. So gesehen ist es selbstverständlich, dass sich die jungen Leute schon als Gymnasiasten für das musikalische Werk von Arnold Schönberg interessiert haben.

Ullmann selbst hat der Uraufführung der „Gurrelieder" am 13.Feber 1913 unter der musikalischen Leitung des Komponisten Franz Schreker beigewohnt und berichtet darüber seiner Freundin Anny Wottitz im Brief vom 11.November 1917: Ein Wildfremder neben mir rief nach Gurrelieder II: ‚Muß das ein Mensch sein ...'". Auch dem „Skandalkonzert" am 31.März 1913 unter dem Dirigat von Arnold Schönberg wohnte Ullmann bei, das Konzert musste wegen Tumulten im Publikum abgebrochen werden. Nur zwei Monate später kam es am 29.Mai 1913 in Paris zur tumultartigen Uraufführung von Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps" in der Choreografie von Sergei Pavlovich Diaghilev.

Viktor Ullmann besucht dann auch gemeinsam mit Joseph Travniček das Kompositionsseminar von Arnold Schönberg 1918 und 1919, an dem auch Ullmanns Freundin Anny Wottitz und deren gemeinsame Freundin Friedl Dicker-Brandeis teilnahmen.

In Prag beschäftigt sich Viktor Ullmann mit den sechs kleinen Orchesterstücken von Arnold Schönberg und wählt für seine „Schönberg-Variationen" das Klavierstück Nr. IV aus. Ullmann

Das Originalthema von Arnold Schönberg, Takte 1-5, für den Variationszyklus von Viktor Ullmann

Das Originalthema von Arnold Schönberg, Takte 1-5, für den Variationszyklus von Viktor Ullmann

schließt das Werk Anfang Oktober 1925 ab, am Mai 1925 kommt es dann in einem Konzert des Literarisch-künstlerischen Vereins zur Uraufführung. Das Werk besteht aus 21 Variationen und Doppelfuge, und Ullmann wird im Prager Tagblatt kritisch gewürdigt: „Erstaunlich bleibt Ullmanns Phantasie in der Ausschrotung der klavieristischen Möglichkeiten des Satzes, in der Anhäufung der technischen Schwierigkeiten, die dem Gesetz der Bewältigung zu widerstreben scheinen." Für die Komposition der Prager Fassung der „Schönberg-Variationen" erhält Ullmann ein Stipendium. Von diesem Werk Ullmanns ist keine Note erhalten geblieben. Hingegen sind die Noten der zweiten Fassung für Klavier aus dem Jahr 1929 – gespielt mit großem Erfolg beim Genfer Musikfest der IGNM – und der zweiten Fassung für Klavier aus den Jahren 1933/34 erhalten geblieben.

Die ersten fünf Takte der ersten Variation von Viktor Ullmann komponiert 1933 und 1934.

Die ersten fünf Takte der ersten Variation von Viktor Ullmann komponiert 1933 und 1934.

In diesen beiden Fassungen der „Schönberg-Variationen" ist auch schon unüberhörbar Ullmanns eigener musikalischer Stil zu finden. Es ist dies eine Art neuer Harmonik im Spannungsfeld von Tonalität und Atonalität, die Ullmann selbst als „Polytonalität" charakterisierte in Verbindung des musikalischen Ausdrucks und der formalen Gestaltung. In einem Brief an den Komponisten Karel Reiner vom 25.August 1938 stellt Viktor Ullmann die musikalischen Schulen von Arnold Schönberg und Alois Hába gegenüber: „Der Schönbergschule verdanke ich strenge – will sagen logische Architektonik und Liebe zu den Abenteuern der Klangwelt, der Hábaschule die Verfeinerung des melodischen Empfindens". Ullmann hatte bei Alois Hába nach seiner Rückkehr nach Prag 1933 in der Abteilung für mikrotonale Musik am Prager Konservatorium einige Kurse belegt.

Im Konzertprogramm werden nun die die sechse Klavierstücke von Arnold Schönberg in den korrespondierenden Spiegel der beiden „Schönbergvariationen" Ullmanns gestellt. Die Klavierwerke von Schönberg und Ullmann werden im Rahmen der Ausstellung über Arnold Schönbergs Tätigkeit für die k.u.k. Wehrmacht, das Kriegspressequartier des k.u.k. Kriegsministeriums und des Ministeriums des k.u.k. Hauses und des Äußern vom 6.September 1917 bis 2.Dezember 1918 als Konzert zur Ausstellungseröffnung gespielt. Denn gänzlich unbekannt ist die Arbeit von Arnold Schönberg für die Propaganda der Habsburgischen Vielfachmonarchie, die von Herbert Gantschacher in Archiven gefunden worden sind eigentlich bei der Suche von Dokumenten nach der Militärzeit von Viktor Ullmann. Eine detaillierte Beschreibung der Ausstellung findet sich im Abschnitt Einzelthemenausstellungen unter dem Titel „Lieber Freund!"