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"Eine seltsame Krankheit ist ausgebrochen. Die Soldaten können nicht sterben."

Ein interdisziplinäres Kunstprojekt mit Musik & Literatur, alten & neuen Texten, Raum- und Textinstallation 2016

Gesang & Chorleitung: Bernhard Wolfsgruber
Chöre: Projektchor & zwei weitere Chöre in Auswahl
Musik & Improvisation: Johann Egger und Saxophonquartett
Texte & Interpretation: Gerald Eschenauer u.a.
Raum- & Textinstallation: 1000&
Kompositionen: N.N.

"Eine seltsame Krankheit ist ausgebrochen. Die Soldaten können nicht sterben." Viktor Ullmann Originalpartitur Theresienstadt 1943/44.

"Eine seltsame Krankheit ist ausgebrochen. Die Soldaten können nicht sterben." Viktor Ullmann Originalpartitur Theresienstadt 1943/44.

 

Aus einem historischen Kontext heraus wird diese Produktion unter Mitwirkung von KünstlerInnen und Künstlern aus den sprachlich nach wie vor getrennten so genannten Hochkultur und Volkskultur ein gemeinsames interdisziplinäres Projekt, das sich dem Gemeinsamen verbunden weiß und das Trennende hintanstellt und sich der zeitgemäßen Umsetzung stellt.

Neue Texte, neue Kompositionen sowie visuelle und musikalische Umsetzung in den Räumen und am Gelände der Klosterruine Arnoldstein werden unter Benutzung von Zitaten zu einem neuem Projekt zusammengefügt im Kontext der Jahre 1915-2015.

Dass dies im historischen bereits funktioniert hat, beweisen die Volks- und Kriegsliedersammlungen des Bela Bartók, Zoltan Kodály und Bernhard Paumgartner sowie die musikalischen Werke dieser drei Komponisten. Auf der Suche nach Volksliedern unternimmt der ungarische Komponist Bela Bartók (1881-1945) vor dem Großen Krieg ausgedehnte Reisen durch Ungarn, Rumänien, der Slowakei und dem Nahen Osten. Dabei sammelte er an die zehntausend Lieder, die er selbst vor Ort transkribierte oder mit einem Phonographen auf Wachswalzen aufnahm.. Der Beginn des Großen Krieges im August 1914 unterbricht die Suche nach Volkslieder. Für den Dienst in der k. u. k. Wehrmacht ist Bartók zwar untauglich, jedoch wird er zum Leiter der Musikabteilung des Kriegspressequartiers in Budapest bestellt und dabei von seinem Komponistenkollegen Zoltán Kodály (1882-1967) unterstützt. In Wien leitet der Dirigent und Komponist Bernhard Paumgartner (1887-1971) die Musikabteilung. Sie veranlassen die Sammlung von Soldatenliedern. Es werden die Noten gesammelt beziehungsweise nach Gesang aufgeschrieben Diese Lieder werden zum Teil nun auch schon mit einem Phonographen aufgezeichnet. Noten und Aufnahmen sind heute noch teilweise erhalten. Gemeinsam geben sie für die k. u. k. Wehrmacht ein Liederbuch für Soldaten heraus, das mehrere Auflagen erlebt.

Der Komponist Viktor Ullmann (1898-1944) ist während seiner gesamten Großen Krieges Artilleriebeobachter bei der 38cm Haubitze der Batterie Nr. 4 des Bataillons Nr. 5 des Festungs-Artillerie-Regiments Nr. 1 Dienst zugeteilt. Bei dieser Einheit wird Ullmann nun seine gesamte aktive Wehrdienstzeit als "Einjährig Freiwilliger Aspirant" verbringen. Die von Škoda produzierte 38cm Haubitze ist jene Artilleriewaffe mit der größten Zerstörungskraft im Großen Krieg und unterliegt der Geheimhaltung. Ullmann wird als Artilleriebeobachter auch Zeuge des Gasangriffs bei Bovec / Plezzo / Flitsch vom 24. Oktober 1917.

Auch als Musikoffizier seines Bataillons ist Ullmann im Großen Krieg tätig Er verfügt über eine eigene Kapelle, die in der Besetzung seiner später im Konzentrationslager komponierten Oper "Der Kaiser von Atlantis oder Die Todt-Verweigerung" sehr ähnelt. In dieser Oper wird Ullmann in Theresienstadt seine Erfahrungen aus dem Großen Krieg verarbeiten.

Das interdisziplinäre Kunstprojekt aus den Bereichen der Musik, der Literatur und der bildenden Kunst wird sich nun der Oper "Der Kaiser Atlantis oder Die Todt-Verweigerung" bedienen, ein Zitat aus der Oper ist auch der Titel dieser Produktion: "Eine seltsame Krankheit ist ausgebrochen. Die Soldaten können nicht sterben." Ullmann lässt die tödlich Getroffenen quasi ewig leben.