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Beobachtungsstand im Oberen Isonzotal bei der Festung Kluže.

Beobachtungsstand im Oberen Isonzotal bei der Festung Kluže

Der Große Krieg 1914-1918
und Viktor Ullmann (1898-1944).

Die Welt der Musik, des Theaters und der Kunst beschränkt die Sichtweise auf das künstlerische Schaffen des Komponisten und Musikers Viktor Ullmann zu sehr auf seine letzte Periode seines künstlerischen Schaffens nämlich jene im Konzentrationslager Theresienstadt, die künstlerisch betrachtet äußerst produktiv war.

Außer Acht gelassen werden die künstlerischen Anfangsjahre von Viktor Ullmann, die untrennbar mit dem Großen Krieg von 1914 bis 1918 verbunden sind.

Denn Ullmann nimmt in vielen seiner in Theresienstadt geschaffenen Werke explizit Bezug auf die Zeit des Großen Krieges. Und sein Publikum, seine Musiker und seine Komponistenkollegen haben diese Bezüge sehr wohl verstanden, waren doch der Großteil der in Theresienstadt Inhaftierten selbst im Großen Krieg involviert.

Daher ist ein Blick auf die Vita und das beginnende künstlerische Schaffen Viktor Ullmanns zur Zeit des Großen Krieges mehr als lohnend. Dieser Blick zeigt Quellen für das künstlerische Schaffen Viktor Ullmann sowohl auf das private als auch politische Umfeld zutreffend.

Viktor Ullmanns heutzutage bekanntestes Werk, die Oper „Der Kaiser von Atlantis oder Die Todt-Verweigerung" kommt aus seinen persönlichen Kriegserfahrungen aus dem Großen Krieg zwischen den Jahren 1916 und 1918.

Auch das Melodram „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" von Viktor Ullmann nach Rainer Maria Rilkes gleichnamigem Gedicht ist von seinen persönlichen Kriegserfahrungen geprägt.

Auch ein Teil der Lieder Viktor Ullmanns geht auf seine Zeit des Großen Krieges zurück, so widmet er das in Theresienstadt 1944 wiederkomponierte Lied „Wendla im Garten" der Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis, die wie er in Theresienstadt inhaftiert ist; in der Widmung weist Ullmann unmissverständlich auf das Jahr 1918 hin. Oder Ullmann komponiert während des Großen Krieges an der Front zum Gedicht „Marsch" von Theodor Kramer ein musikalisches Motiv zur Aufführung mit kleiner Trommel (dieses Gedicht Theodor Kramers ist in dessen Nachlass nicht enthalten. Es ist in einem Brief Viktor Ullmanns an seine damalige Freundin Anny Wottitz erhalten geblieben).

Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang der Vater von Viktor Ullmann. Oberst Maximilian Ullmann mit der Rangnummer 41 zählt in der k.u.k. Wehrmacht zu den 130 ranghöchsten Offizieren. Während der letzten Isonzoschlacht nimmt er eine bedeutende Funktion, die derzeit Gegenstand der wissenschaftlichen Erforschung. Sein Sohn Viktor nimmt als Artillerist zwölften Isonzoschlacht teil, die historisches Vorbild seiner Oper „Der Kaiser von Atlantis oder Die Todt-Verweigerung" im Libretto und einigen musikalischen Motiven werden wird, wie dies auch die beiden letzten Kaiser aus dem Erzhaus Habsburg werden und die anderen handelnden Personen der Oper.

Das Projekt „Krieg=daDa" wird von 2014 bis 2019 auch die künstlerischen und historischen Korrespondenzen zwischen Sarajevo und Theresienstadt, also auch die Situationen von Gavrilo Princip und Viktor Ullmann reflektieren.