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„Der Diener - Der Aufbruch - Grabinschrift"

von Ernst Stadler und Rudyard Kipling

URAUFFÜHRUNG - NEUINSZENIERUNG

Inszenierung: Herbert Gantschacher
Bühne + Kostüme: Sanzaba Dimna
Lichtgestaltung: Bidpai
Es spielen: Werner Mössler und Markus Rupert

 

Ernst Stadler (1883 - 1914) machte sich vor dem Großen Krieg auch um die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland verdient. Durch seine Tätigkeit sowohl als Übersetzer als auch Verfasser von Studien zur Literatur zeigte er die Interdependenzen der beiden Literaturen. Der Große Krieg verhinderte seine Gastprofessur in Toronto. Stattdessen zog er als Reserveoffizier an die Westfront und kam am 30. Oktober 1914 nahe Ypern in Belgien bei einem Granatenangriff ums Leben.

Ernst Stadler (links) vor dem Großen Krieg als Professor für deutsche Philologie an den Universitäten in Oxford (Großbritannien) und Brüssel (Belgien). Die Berufung an die Universität nach Toronto (Kanada) vollzog Stadler wegen des Großen Krieges 1914 nic

Ernst Stadler (links) vor dem Großen Krieg als Professor für deutsche Philologie an den Universitäten in Oxford (Großbritannien) und Brüssel (Belgien). Die Berufung an die Universität nach Toronto (Kanada) vollzog Stadler wegen des Großen Krieges 1914 nicht mehr. Vom Befürworter des Großen Krieges zum Kritiker des Krieges wurde der Literaturnobelpreisträger Rudyard Kipling (rechts), dazu hatte der Tod seines Sohn auf dem Schlachtfeld des Großen Krieges im belgischen Ypern beigetragen.

 

Anders verlief das Leben des Rudyard Kipling (1865-1936). Anfangs war Kipling, der 1907 den Literaturnobelpreis erhalten hatte, ein Befürworter des Großen Krieges, der Tod seines ältesten Sohnes John im Alter von 18 Jahren im Jahr 1914 bei der Schlacht um Loos brachte ihn zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Krieg, die war allerdings dem so genannten Erfolg als Dichter gestundet, denn parallel zur steigenden Kritik der Zustände nahm sein äußerer Erfolg als Dichter ab.

RUDYARD KIPLING

Der Diener

Wir waren zusammen als der Krieg begann.
Er war ein Diener - und der bessere Mann.

 

ERNST STADLER

Der Aufbruch

Einmal schon haben Fanfaren
mein ungeduldiges Herz blutig gerissen,
Daß es, aufsteigend wie ein Pferd,
sich wütend ins Gezäum verbissen.
Damals schlug Tambourmarsch
den Sturm auf allen Wegen,
Und herrlichste Musik der Erde
hieß uns Kugelregen.
Dann, plötzlich, stand Leben stille.
Wege führten zwischen alten Bäumen.
Gemächer lockten.
Es war süß, zu weilen und sich versäumen,
Von Wirklichkeit den Leib
so wie von staubiger Rüstung zu entketten,
Wollüstig sich in Daunen
weicher Traumstunden einzubetten.
Aber eines Morgens
rollte durch Nebelluft das Echo von Signalen,
Hart, scharf, wie Schwerthieb pfeifend. Es war
wie wenn im Dunkel plötzlich Lichter aufstrahlen.
Es war wie wenn durch Biwakfrühe
Trompetenstöße klirren,
Die Schlafenden aufspringen
und die Zelte abschlagen
und die Pferde schirren.
Ich war in Reihen eingeschient,
die in den Morgen stießen, Feuer über Helm und Bügel,
Vorwärts, in Blick und Blut die Schlacht,
mit vorgehaltnem Zügel.
Vielleicht würden uns
am Abend Siegesmärsche umstreichen,
Vielleicht lägen wir irgendwo ausgestreckt
unter Leichen.
Aber vor dem Erraffen
und vor dem Versinken
Würden unsre Augen sich an Welt und Sonne satt
und glühend trinken.

RUDYARD KIPLING

Grabinschrift

Wenn jemand fragt, warum wir starben,
sagt ihnen, weil unsere Väter logen.