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„Kein einziges Gesicht - Nachtwache"

von Andreas Latzko und Giuseppe Ungaretti

NEUINSZENIERUNG

Inszenierung: Herbert Gantschacher
Bühne + Kostüme: Sanzaba Dimna
Lichtgestaltung: Bidpai
Es spielen: Werner Mössler und Markus Rupert

 

Sowohl Andreas Latzko (1876-1943) als auch Giuseppe Ungaretti (1888-1970) waren als Soldaten in der Südwestfront im Großen Krieg zwischen dem italienischen Königreich und der Habsburgischen Vielfachmonarchie, Latzko erkrankte an Malaria, musste jedoch an der Front bleiben, bis er nach einem schweren italienischen Artillerieangriff in der Nähe von Gorizia einen schweren Schock erlitt und als Kriegszitterer dienstunfähig wurde. 1917 schrieb er in Davos auf Kur sechs Novellen für sein Buch "Menschen im Krieg", das sich mit der Situation des Krieges an der Isonzofront auseinandersetzte. Noch im selben Jahr erschien das Buch im Zürcher Rascher Verlag. Das Buch wurde ein großer Erfolg und in 19 Sprachen übersetzt und in allen kriegführenden Staaten verboten. Latzko selbst wurde deshalb vom Armee-Oberkommando der k.u.k. Wehrmacht degradiert. 1918 folgte dann der Roman "Friedensgericht". 1933 wurden seine Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten kam er nach New York in die USA, wo er am 11. September 1943 verarmt starb.

Zwei Buchtitel von Latzko mit Ungaretti als Soldat im Großen Krieg dazwischen.

Zwei Buchtitel von Latzko mit Ungaretti als Soldat im Großen Krieg dazwischen.

Sowohl Latzko als auch Ungaretti zeigen exemplarisch die Schrecken des Krieges. Latzko zieht auch als Mensch daraus seine Konsequenzen. Ungarettis verläuft anders, seiner Nähe zum Faschismus verdankte er in den dreißiger Jahren seine Karriere politischer Beamter im italienischen Außenamt, der er als Pressesprecher diente.

Andreas Latzko schildert in "Kein einziges Gesicht" die Situation eines traumatisierten Soldaten: " Kein einziges Gesicht tauchte in seiner Erinnerung auf, Monate und Monate hatte er im Kreise derselben Menschen verbracht, - und kam erst jetzt dahinter, daß keiner von allen einen Kopf auf dem Halse getragen! Sonst hätte er sich doch entsinnen müssen, ob sein Feuerwerker einen Schnurrbart gehabt hatte; ob der Geschützführer vom ersten Geschütz blond oder brünett gewesen war. Aber nein! ... Nichts war ihm geblieben. Nur Grammophonplatten sah er, schwarze, scheußliche, kreisrunde Scheiben auf blutigen Blusen sitzend ... Die ganze Isonzogegend lag plötzlich, wie eine riesige topographische Karte tief unter ihm, so wie er sie oft in illustrierten Zeitungen gesehen."

Giuseppe Ungarettis Kriegserlebnis sieht im Gedicht "Nachtwache" so aus: "Eine ganze Nacht / lang / gehockt dicht / zu einem unserer Männer / geschlachtet / mit zusammengebissenem / Mund / grinsend bei Vollmond / mit gestautem Blut / seiner Hände / schießt recht / in mein Schweigen / Ich habe geschrieben Briefe voll von Liebe // Ich war noch nie / so / eng am Leben."

Im Theater stehen nun Latzko und Ungaretti als Vertreter beider Kriegsfronten auf einer Bühne.