Home Ι VISUAL THEATERFESTIVAL Ι WEB-TV Ι KRIEG IST DADA Ι ESSAYS Ι PRESSE ARCHIV Ι BÜCHER CDS/DVDS

„Abschied - O HAND OPFER"

von Alfred Lichtenstein und Guillaume Apollinaire

URAUFFÜHRUNG - NEUINSZENIERUNG

Inszenierung: Herbert Gantschacher
Bühne + Kostüme: Sanzaba Dimna
Lichtgestaltung: Bidpai
Es spielen: Werner Mössler und Markus Rupert

 

Bevor Alfred Lichtenstein (1889-1914) Anfang August 1914 an die Front abfährt, schreibt und schickt er das Gedicht "Abschied" an Peter Scher (1880-1953), dem späteren Chefredakteur des Satireblattes "Simplicissimus".

 

Abschied

Vorm Sterben mache ich noch mein Gedicht.
Still, Kameraden, stört mich nicht.
Wir ziehn zum Krieg. Der Tod ist unser Kitt.
O, heulte mir doch die Geliebte nit.
Was liegt an mir. Ich gehe gerne ein.
Die Mutter weint. Man muss aus Eisen sein.
Die Sonne fällt zum Horizont hinab.
Bald wirft man mich ins milde Massengrab.
Am Himmel brennt das brave Abendrot.
Vielleicht bin ich in dreizehn Tagen tot.

Und am 25. September 1914 kommt Lichtenstein bei Vermandovillers an der Front beim Fluss Somme in Frankreich zu Tode.

Alfred Lichtenstein (links) - Apollinaires (rechts) Calligrammes (Mitte) mit der Hand.

Alfred Lichtenstein (links) - Apollinaires (rechts) Calligrammes (Mitte) mit der Hand. [27]

 

Auf der Seite Frankreichs ist ein andere Dichter im Feld des Krieges, Guillaume Apollinaire (1880-1918), der das Kriegsende auch nicht erlebt und am 9. November 1918 in Paris stirbt. "O MAIN VICTIME" von Apollinaire 1915 als Calligramme erdacht, wird in visuelles Theater umgesetzt: "O HAND OPFER / - stets - / KLAGEN / SOLANGE / DER GRUND / ist eine / KETTE."

Beide Dichter finden sich nun zumindest in diesem Theaterprojekt auf einer Seite, nämlich der der Kunst des Theaters.