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"Talking Gloves - Sprechende Handschuhe"

Visuelles Theater nach Bildern "Sämann und Teufel / Sturm. Den Namenlosen / Totenopfer / Der Auferstandene" von Albin Egger-Lienz und Gedichten "Wacht / Patrouille / Kriegsgrab" von August Stramm

URAUFFÜHRUNG

Inszenierung: Herbert Gantschacher, Horst Dittrich, Werner Mössler
Bühne + Kostüme: Sanzaba Dimna
Es spielen Jugendliche der NMS Pfeilgasse Wien, der NMS "Egger-Lienz" Lienz und des Bundesinstituts für Gehörlosenbildung

"Talking Gloves" sind wortwörtlich „sprechende Handschuhe", die vollsinnigen Menschen den Zugang zur Kommunikation mit Taubblinden ermöglichen. Auf diese Art und Weise wird der Weg zur Kommunikation mit Taubblinden auch auf spielerischen Weg geebnet. In der Geschichte hat es mehrere Kommunikationsformen gegeben, die von Taubblinden selbst geschaffen worden sind. Taubheit und Taubblindheit sind zum Teil auch durch Kriege ausgelöst worden, wie dies das Beispiel des amerikanischen Arztes William Terry zeigt, der im amerikanischen Bürgerkrieg ertaubte und erblindete und sich selbst dann ein beidhändiges Fingeralphabet geschaffen hat, um mit seiner Umgebung weiter kommunizieren zu können. Im Ersten Weltkrieg sind dann diese "Talking Gloves / Sprechenden Handschuhe" dazu benutzt worden, um mit im Großen Krieg ertaubten, erblindeten oder taubblind gewordenen Menschen kommunizieren zu können. Es wurden also das Fingeralphabet der Gehörlosen und die Kommunikationssysteme der Taubblinden dazu in Verwendung gebracht.

Das beidhändige Handalphabet (links) des Arztes William Terry (Mitte bei der Zeitungslektüre), der im amerikanischen Bürgerkrieg ertaubt und erblindet ist. "Die Namenlosen" von Albin Egger-Lienz aus dem Jahr 1916 (rechts).

Das beidhändige Handalphabet (links) des Arztes William Terry (Mitte bei der Zeitungslektüre), der im amerikanischen Bürgerkrieg ertaubt und erblindet ist. "Die Namenlosen" von Albin Egger-Lienz aus dem Jahr 1916 (rechts).

2014 jährt sich zum 100. Male der Beginn des heute so genannten Ersten Weltkrieges (als "Prolog" Die Balkankriege 1912/1913), der dann in der Folge in einem zweiten Weltkrieg und den kalten Krieg mündete (als "Epilog" Die Balkankriege in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts, deren Konfliktpotential bis heute nicht entschärft ist). Der Krieg im Jahr 1914 begann als ein von Europäischen Mächten lokal begrenzter Konflikt am Balkan im Juli 1914, der dann von den Administrationen der Herrscherhäuser Hohenzollern und Habsburg zu einem Europäischen Krieg gemacht worden ist, wobei hier die Administration am Ballhausplatz in Wien federführend war, weil sie ohne formale Kriegserklärung mit der k.u.k. Wehrmacht ins neutrale Belgien einmarschierte. Somit bewies die Habsburg-Administration in exemplarischer Art und Weise, dass sie kein Interesse daran hatte, dass der Konflikt am Balkan mit Serbien lokalisiert bleibt. Im cisleithanischen Teil der Vielfachmonarchie hatte der Habsburgerherrscher den Ausnahmezustand verfügt und konnte so auch einfach den Krieg verordnen! Das sollte uns eine immerwährende Warnung sein!

Im Projekt selbst spielen dann auch die bildende Kunst und die Poesie eine Rolle in der Umsetzung als visuelles Theaterprojekt nämlich "Den Namenlosen" von Albin Egger-Lienz und "Patrouille" von August Stramm unter Verwendung des Fingeralphabets der Gehörlosen und der Kommunikationssysteme der Taubblinden.

Teil des Projektes sind auch Workshops mit Taubblinden, mit dem Nationalratsabgeordneten Franz-Joseph Huainigg und im Österreichischen Staatsarchiv und im Heeresgeschichtlichen Museum sowie in der Egger-Lienz-Gedächtniskapelle in Lienz.